Simsala…
Auf einem Baum ein Kuckuck saß. Der Kuckuck ist ein Vogel, der Brutparasitismus betreibt, seine Eier also in fremden Nestern ablegt, um sich selbst die Brüterei zu ersparen. Schlaues Kerlchen.
Ein Zauberer geht, wie auch der Simsalaseo ganz andere Wege. Er nimmt seinen Hut und zaubert ein Kaninchen heraus indem er seinen Zauberstab in die Luft hält und Simsalabim sagt. Sein Bruder und Fast-Namensvetter, der Simsalaseo, bevorzugt statt lebendiger Tiere Rankings und Statistiken und zaubert diese meistens auch nicht aus dem Hut, sondern scheinbar aus dem Ärmel. Scheinbar, denn letrztendlich hat der Simsalaseo im Ärmel lediglich ein Ass, das er gekonnt an geeigneter Stelle ausspielt. Während beim Zauberer das Kaninchen ebensowenig im engen, schwarzen Hut versteckt ist und dieser Anschein einiges an Übung erfordert, ist auch der Simsalaseo kein Zauberer in dem Sinne, sondern jemand, der viel Zeit investiert hat, um Tricks und Kniffe zu erlernen, die sein Know-How ausmachen und seine Zuschauer (im Sinne von Kunden) verzaubern.
Zauberformeln gibt es viele. Während eine kleine Hexe, die ihren Besen nach einer Kartoffelspeise benannt hat und zeitweise einen Faible für dicke, graue und sprechende Elefanten hat, lieber “Hex Hex” sagt, um übernatürliche Vorkommnisse hervorzurufen, wird in Märchen viel ekliges Vokabular für diese Formeln verwendet. Da werden Krötenaugen, Spinnenbeine und Gallensaft gerne mal verbal zu einem Cockail verarbeitet, der das Böse beschwören oder die Gestalt eines feindlichen Wesens verändern soll. Bis heute ist es jedoch keiner noch so mächtigen Hexe gelungen, einen Zauberer in einen Simsalaseo zu verwandeln. Kein Wunder, denn die Unterschiede in der Umsetzung ihres Handwerks kann auch das Gehirn einer 2 Meter großen, südamerikanischen Monsterunke nicht überwinden. Dies wird bereits klar, wenn man sich das “Klientel” der beiden vor Augen führt: Der Zauberer, der ständig bemüht sein muss, jugendfreie Gegenstände aus der Kopfbedeckung zu ziehen, um die zuschauenden Kiddies nicht zu verstören und dutzende katholische Mütter gegen sich aufzubringen und der Simsalaseo, der nicht selten – und oft vergeblich – sein Glück in der Online-Porno-Branche sucht. Und wenn man sich dann noch verdeutlicht, dass ein aus dem Hut gezaubertes Kaninchen dem Zauberer oft einen Stundenlohn von 5 Euro beschert, so dass der arme Mann zusätzlich die Abendschicht im Discounter übernehmen muss, während der Simsalaseo nach zu Hause verrichteter Arbeit bereits sein erstes Bier schlürft, Sushi und Eiscreme verputzt und sich Luxusgedanken (“wann rasiere ich mich mal wieder?”) macht, wird einem klar, wie unterschiedlich Zauberer und Simsalaseo wirklich sind.
Anmerkungen: weder Zauberer, noch Simsalaseo sind Tierquäler!! Das Kaninchen wird nach getaner Arbeit mit Möhren belohnt und abends geknuddelt und der Simsalaseo unterstützt im Idealfall gleich 2 Tierschutzorganisationen.
Zauberer wie David C. verdienen mehr als 5 Euro, weil sie längst über den Knaninchentrick schmunzeln und lieber ihre Asistentin in mehrere Teile schneiden und wieder zusammensetzen. Und der Simsalaseo? Wenn er überhaupt eine Assistentin hat, dann lässt er sie ganz und teilt lieber seine Zeit ein oder sein Geld auf verschiedene Konten auf.
